Sport auf Rezept: Ärzte verschreiben Bewegung anstatt Medikamente


Ein besseres Leben ohne Chemie? Gehen Sie gern spazieren, joggen oder stepptanzen? Die Sportart an sich ist egal. Wichtig ist die Tatsache, dass eine halbe Stunde Bewegung fast jeden Tag das Risiko senkt, an verschiedenen Krebsarten, Herzerkrankungen und Typ-2-Diabetes zu erkranken. Lesen Sie weiter, und erfahren Sie von den Bemühungen von Ärzten, die mehr Bewegung propagieren, weil Sport so viel mehr kann, als nur einen Sixpack zaubern.

Wir bei Withings wissen genau, dass kleine Entscheidungen, die wir täglich treffen, in ihrer Summe eine erhebliche Auswirkung auf die Gesundheit haben. Aktiver zu sein ist eine dieser Entscheidungen, und Studien belegen nun immer öfter, dass unter anderem auch Sport zur besten Medizin gehört. Bewegung kann vielen chronischen Krankheiten vorbeugen und sogar Symptome von Patienten, die bereits mit einer Erkrankung diagnostiziert wurden, lindern und ganz abklingen lassen.

Die meisten Menschen wissen, dass regelmäßige Bewegung deutlich zur Verbesserung und Erhaltung der Gesundheit beiträgt. Dank Sport fühlt man sich besser, stärker und schöpft neue Energie. Und doch haben die US-amerikanischen Centers for Disease Control festgestellt, dass nur jeder fünfte Erwachsene in den USA auf das empfohlene Maß von 150 Minuten moderater bis intensiver Bewegung pro Woche und mindestens zweimal die Woche Krafttraining der wichtigsten Muskelgruppen kommt. Nur drei von zehn amerikanischen Highschool-Schülern bewegen sich 60 Minuten pro Tag und erreicht damit das empfohlene Maß.

„Den Menschen ist einfach nicht bewusst, wie wichtig Sport sein kann“, sagt Dr. Michael Pratt, Professor an der Rollins School of Public Health an der Emory University in Atlanta. Pratt gehört außerdem zum Fachbeirat von Exercise is Medicine, einer globalen Gesundheitsstrategie des American College of Sports Medicine. Ziel des Programms ist es, das geringe Bewegungsniveau von Menschen weltweit zu steigern, indem Ärzte ermutigt werden, Patienten detailliert die Vorteile regelmäßiger Bewegung zu verdeutlichen. Außerdem versucht die Organisation, Ärzte und Angestellte des Gesundheitswesens mit Sportfachleuten und gezielten Fitnessprogrammen zu verbinden, um bessere Behandlungsmethoden zu entwickeln, die frei zugänglich und kostensparsam sind und die Abbruchquote verringern.

„Einer der hartnäckigsten Irrtümer ist, dass die meisten Menschen zwar wissen, dass Sport wichtig ist, doch viele glauben, dass Bewegung nicht so wichtig ist wie die richtige Ernährung oder regelmäßige Mammographien. Das stimmt so aber nicht. Es herrscht Missverständnis darüber, wie sehr sich Sport auf andere Bereiche auswirkt“, erklärt Dr. Pratt Withings.

Die Vorteile, die Bewegung auf die Prävention vieler Krankheiten und chronischer Erkrankungen sowie deren Krankheitsverlauf hat, sind signifikant. Exercise is Medicine hat festgestellt, dass regelmäßige Bewegung das Todesrisiko und die Gefahr eines Rückfalls bei Brustkrebspatienten um 50 % senkt. Das Darmkrebsrisiko wird sogar um 60 % verringert. Sport trägt zu einer Senkung des Risikos, an Typ-2-Diabetes zu erkranken, um 58 % bei. Studien belegen außerdem, dass man durch einen Fitnesszeitplan, der einen so richtig ins Schwitzen bringt, Depressionen besser in den Griff bekommen kann, und zwar genauso gut wie mit Antidepressiva oder Verhaltenstherapie. Das Erkrankungsrisiko bei Herzkrankheiten und Bluthochdruck wird zudem um etwa 40 % reduziert; bei Schlaganfällen sind es immerhin 27 %. Man sollte auch nicht außer Acht lassen, dass Bewegung zur geistigen Fitness beiträgt und somit das Alzheimerrisiko im Alter um etwa 40 % verringert. Jugendliche haben dank Sport zudem nachweislich bessere Prüfungsergebnisse erzielt.

„Sport ist in gewisser Hinsicht eine Wunderpille“, so Dr. Pratt. „Der einzige Nachteil ist, dass man dafür täglich 30 Minuten aufbringen muss.“
Die Krux ist also folgende: Wie bringt man Menschen dazu, diese Wunderpille täglich zu schlucken, und zwar bis an ihr Lebensende? Dr. Pratt ist der Ansicht, man müsse Menschen den umfassenden Nutzen von Sport, wie wir ihn oben im Detail erläutert haben, deutlich klar machen. Die Arztpraxis bietet dafür den besten Ausgangspunkt, aber auch Fitnessstudios, Gemeindezentren und umfassende öffentliche Informationsprogramme tragen ihren Teil dazu bei.

Sobald Menschen verstanden haben, wie wichtig Sport ist, geht es darum, eine langfristige Fitnessroutine einzuführen. Pratts Ansicht nach ist das Verhältnis zwischen Ärzten und Fachleuten aus dem Sportwesen elementar, um Patienten Programme anbieten zu können, die nicht weit von ihrem Zuhause entfernt und für ihre bestimmten Umstände angemessen sind. Lokale Gesundheitsprogramme und Sport im Freien sowie einladende, sichere Außenanlagen bieten Menschen außerdem die Möglichkeit, das ganze Jahr über aktiv zu sein. Für Menschen mit geringem Einkommen sind sichere öffentliche Parks und Gesundheitsprogramme, die kostengünstige Kurse und Mitgliedschaften im Fitnessstudio anbieten, unumgänglich.

Darüber hinaus sei es aber auch wichtig, so Pratt, dass Ärzte und Sportfachleute kein sportliches Patentrezept für jeden Patienten verschreiben. Manchen Menschen liegt Spazierengehen; andere wollen sich beim Zumba auspowern. Die einen reiten gern, während die anderen lieber ein Fitnessstudio für Geeks besuchen. „Es ist besonders wichtig, einen Sport zu finden, der einem wirklich Spaß macht“, erklärte Dr. Pratt. „Man muss dieses besondere Etwas finden, das einen motiviert. Das kann das Training zum 5-km-Lauf sein oder Standardtänze.“

Das Ziel ist, laut Dr. Pratt, Menschen in den USA und weltweit dazu zu bringen, sich mehr zu bewegen. Doch das ist noch ein langer Weg. Er fügt hinzu: „Wir haben zwar große Fortschritte gemacht, aber wenn das hier ein Marathon wäre, hätten wir gerade einmal die halbe Strecke hinter uns.“

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Vielen Dank an Dr. Pratt für sein Fachwissen.

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Damien Brunet

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